– Dachauer Berufsschüler in Auschwitz und Krakau

Polenfahrt BGJ-Dachau 13.05. – 18.05.2019 – Der Schülerbericht

 

Tag 1:

Am Montag, 06:15 Uhr, startete der Bus, gefüllt mit 32 gut gelaunten, aber teilweise maßlos übernächtigten jungen Menschen und drei äußerst kompetenten und freundlichen Lehrern in Richtung Kulturverständigung, Erkenntnis und einer großen Portion Spaß nach Oswiciem, Polen. Mit Ausblick auf die zwölf Stunden Fahrt setzt die Stimmung im Bus, nach einer kurzen Hochphase zu Beginn, erst nach zwei Stunden ein. Doch dann erklingt ein Quell des gemeinschaftlichen Frohlockens und der Businnenraum wird für einige Stunden gefüllt mit dem Gesang von ca. 15 Früh-/ bis Spätpubertierenden, die allseits beliebte Klassiker anstimmen, wie Totos Afrika oder Earth, Wind and Fires September. Ergo: Purer Genuss für alle. Der Rest des Buses nahm das Unterhaltungsprogramm mehr oder weniger genügsam auf (vielen Dank dafür) und so vergingen die zwölf Stunden Fahrt unerwartet zügig, mit viel Motivation und Gaudi. Um 18:00 Uhr rollt der Bus am Hotel vor und nach dem Check-In steht der Rest des Tages zur freien Verfügung, was die Schüler prompt zur Erkundung und Essensbeschaffung nutzten. In einem verhältnismäßig passenden Rahmen wurde dann des Nachtens die Bettruhe gesucht, um für den nächsten, zu erwartend anstrengenden Tag, fit zu sein.

 

Tag 2:

Nach einem stärkenden Frühstück fand sich die Gruppe am Dienstag um 09:00 Uhr wieder zusammen, um dann mit einem Bus, der an eine Zeit vor uns erinnerte, bei möglichst schlechtem Wetter, den Weg zur Gedenkstätte Auschwitz/Birkenau zu nehmen. Bei der Ankunft zeigte sich zuerst ein unerwartetes Bild: Viel Natur, viele Bäume und viele rote Backsteingebäude ließen in keiner Weise auf die Grausamkeiten schließen, die man mit dem Namen Auschwitz verbindet. Erst als man das Lager Auschwitz selbst betritt und die Reisebegleiterin ihren Vortrag mit der Information beginnt, wie viele Menschen in Auschwitz ihr Leben ließen und welche Überlebensrate im Lager vorherrschte, beginnt man den Ort mit der zuvor bekannten Geschichte zu verbinden. Im Verlauf der Führung wurde klar, dass man das Ausmaß des dort erfahrenen Leides nicht ansatzweise nachvollziehen und emotional wahrnehmen kann, auch wenn man es versucht, und die Empathie sich irgendwann verschließt, weil die schlimmen Eindrücke zu viel werden. Es erscheint auch so, dass die 3 Stunden Führung nicht ausreichen, um sich mit der Thematik ausreichend zu beschäftigen. Gegen 13 Uhr endete die Besichtigung, worauf nach einer Stunde Mittagspause, in der internationalen Jugendbegegnungsstätte eine Nachbesprechung der Erfahrungen stattfand. Dabei konnte zuerst jeder seine Wahrnehmungen und Gefühle schildern, dann wurden Fragen und Erklärungsversuche für die Geschehnisse betrachtet und zum Schluss wurden Lehren für die Gegenwart und jeden persönlich besprochen. Ein sehr hilfreiches Gespräch, um die Eindrücke aus Auschwitz zu verarbeiten. Ab 17:30 Uhr war die Zeit wieder zur freien Verfügung, wobei die Erlebnisse und Gespräche des Tages einige zu hitzigen Diskussionen zur Grundsatzfrage: Ist der Mensch gut? Ist der Mensch schlecht? anregten. Der Tag klang dann für alle unterschiedlich aus, im Hotel oder on the move in der Stadt. Insgesamt kann man von einem anstrengenden Tag sprechen, der viele wichtige Gedanken und Erfahrungen und Gespräche beinhaltete.

 

Tag 3:

Nach einer weiteren, allzu deliziösen Stärkung ging es am nächsten Tag um 10 Uhr weiter Richtung angenehmerer Horizonte, nach Krakau. Nach einer 1,5 stündigen Fahrt, Check-In im Hotel und einer 0,5 stündigen Wartezeit auf die Guides, ging es dann sofort weiter mit einer charmanten Stadtführung durch Krakau, in der eine sehr interessante und vielseitige Geschichte Krakaus vermittelt wurde, die durch eine sehr energiegeladene und interessante Erzählweise optimal an den Mann gebracht wurde. Ab 16 Uhr war der Tag dann zur freien Verfügung, wobei sich das Erkunden der Umgebung des etwas außerhalb der Stadtmitte gelegenen Hotels, vor allem des Nachtens, als sehr interessant und spannend herausstellte. Zur Nachtruhe um 22:00 Uhr fanden sich natürlich alle pflichtbewussten Ausflugsteilnehmer-innen wieder im Hotel ein und gingen sofort schlafen.

 

Tag 4:

So konnte der nächste Tag dann rundum ausgeschlafen und erholt, vom Frühstück gestärkt, beginnen. Um 09:00 Uhr standen die Tourguidinnen wieder auf der Matte und die Wanderung startete vom Hotel aus zur Station eins des Tages, dem Schindlermuseum. Das Museum entpuppte sich als ein äußerst interessantes Museum, weil die Ausstellung wirklich authentisch und lebensnahe durch die Geschichte von der Zeit vor dem Krieg, über die Zeit der Okkupation, bis zur Nachkriegszeit führte, sodass man sich sehr gut in die Geschehnisse und Schicksale der Menschen hineinversetzen konnte. Nach dieser historischen Nachstellung machte sich die Gruppe dann auf zum echtzeitlichen Erleben von jüdisch-krakauischer Geschichte: Das Ziel war Kazimierz, das jüdische Viertel Krakaus. Sehr interessant zu besuchen und begutachten, weil alles noch sehr authentisch und lebendig und alt gewachsen aussieht und eine leicht imperfekte, aber dadurch sehr menschliche Atmosphäre wirkt und man eigentlich gar nicht mehr gehen möchte. Aber wie immer im Leben hat alles ein Ende und so fand die Stadtführung gegen 16:00 Uhr ihren Endhalt und alle wurden bis zur Abfahrt am Samstag zur freien, individuellen Freudensgestaltung entlassen. Die nun folgenden Berichte erschließen sich deshalb größtenteils aus den persönlichen Erfahrungen des Chronisten. Die meisten führte der erste Weg zurück ins Hotel, erstmal Style aufleveln. Manche chillaxten dann im Hotel, andere fanden ihr Glück in der Stadt, insgesamt war der Spaß groß und so ging auch der vierte Tag mit vielen interessanten Erfahrungen in die Lande.

 

Tag 5:

Tag 5: Erst mal chillig ausschlafen. Vorgenommenes Ausfliegen um 10 Uhr ging dann gegen 12 Uhr los (alles andere wäre Wahnsinn; Anmerkung des Chronisten). Der Tag wurde sodann gleich genutzt, um Krakau in seiner vielschichtigen Schönheit wahrzunehmen und die Gegend in und um die Innenstadt in seiner Vielschichtigkeit zu erschließen, wobei immer wieder kleinere und größere Überraschungen um die nächste Ecke auf den motivierten und aufmerksamen Erkunder warteten. Als letzter Tag in Krakau wollte man natürlich das letzte Fünkchen an Zeit nutzen und so ging es nach einer kurzen, abendlichen Bosstransformation im Hotel, wieder gen Stadtmitte bzw. Kazimierz. Als Einstieg in den Abend musste natürlich der Magen liebkost und die Kehle benetzt werden, also erst mal schön schnabulieren gehen. Hier soll erwähnt werden, wie erfreulich es war, in Polen essen zu gehen. Gutes Bie … ich meine leckere Saftgetränke und eine vorzügliche Mahlzeit für etwa 10 Euro erlauben eine sehr entspannte Abendgestaltung. Aller erste Sahne. Für den Clubwütigen bietete Kazimierz leider eine sehr mainstreamige Auswahl, für den Barliebhaber hingegen ein sehr vielschichtiges und üppiges Angebot und so endete der Abend in einem Wasserloch der aller ersten Güte … im Kellerraum einer sozialistischen Punkerkneipe, in dem wir auf ein Geburtstagskind angestoßen haben und so ging dann auch diese Nacht zu Ende. War ein sehr nicer Tag.

 

Tag 6:

Das Aufstehen, für den einen leichter und für den anderen wesentlich schwerer, musste irgendwann sein und so fanden sich alle wackeren Reckinnen und Recken gegen 10:00 Uhr am und im Bus ein. Mit vergleichsweise reduzierter Motivation ging es dann schweren Herzens zurück Richtung Deutschland, wobei die Lehrkräfte unmissverständlich um ein ruhigeres Gebaren im Bus baten, im Vergleich zur Hinfahrt. Dieser Hinweis hielt unerwartet lange an und so setzten erst nach etwa acht Stunden die frohlockenden Gesänge des GHO-10-Adoleszenzchores ein, der den beglückten Restbus dann froh und munter nach Hause begleitete. Gegen 10 Uhr abends traf der Bus dann wieder in Dachau ein und mei, do wa ma dann wieda.

 

Insgesamt muss man sagen, dass die Polenfahrt eine rundum gelungene Exkursion war, wie man sie sich nur wünschen kann, mit viel Spaß, Kultur, Erfahrungen sowohl anstrengender als auch fröhlicher Natur, und ganz vielen tollen Menschen. Wir wollen auch unseren verständnisvollen Lehrkräften Frau Rieger, Herr Kiser und Herr Zech danken, die durch ihr Vertrauen in uns, ihre Offenheit und kompetente Anleitung und Planung, maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Fahrt zu der tollen Erfahrung werden konnte, die sie war. So viele sympathische, freundliche, offene und litte Leute auf einem Haufen sind etwas Besonderes und das muss man auch einfach mal wertschätzen und aussprechen oder zumindest schreiben.

Ein großer Dank geht auch an das Landratsamt Dachau! Durch die Landkreiskooperation zwischen den Landkreisen Oswiciem und Dachau wurde unsere Fahrt mit 120 Euro pro Mitfahrer bezuschusst und somit für einige Schüler erst möglich!

Sche wars und schod iss, dass wor iss, dass gor iss.

Simon out.

 

 

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